Projektstruktur festlegen

Grundsätzlich steht bei Open Innovation Projekten der Gemeinschaftsgedanke im Vordergrund, sodass das Ergebnis selten durch einzelne Personen zustande kommt, sondern im Optimalfall durch die Summe aller guten Aspekte individueller Ideen oder Kommentare. In diesem Kontext braucht Open Innovation dieselbe Koordination und Fairness wie jede andere Zusammenarbeit in einem Konsortium, das auf ein Ziel hinarbeitet.

Wichtige Fragen bei der Projektkonzeption sind:

  • Welche Beiträge sind von den Teilnehmern erwünscht?
  • Wie und durch wen erfolgt die Moderation der Community?
  • Wie werden die Gewinnerinnen und Gewinner eines Wettbewerbs ausgewählt?
  • Was sind die Bewertungskriterien?
  • Welche Rolle haben Experten und Expertinnen auf der Plattform und auf welcher Basis entscheidet die Jury?
  • Was geschieht mit Ideen, wenn die aktive Phase abgeschlossen ist?

In der Projektplanung sind die unterschiedlichen Fairness-Komponenten (Interaktionsfairness, Verfahrensfairness, Verteilungsfairness) ausreichend zu berücksichtigen.

Gerade die immer als „freiwillig“ unterstellte Teilnahme bei Crowd-Projekten darf keinesfalls bedeuten, dass unfaire Teilnahmebedingungen zu akzeptieren sind.

Transparenz ist ein Muss in einer offenen Innovationsorganisation, denn Open Innovation ist per Definition transparent. Offen zu sein für Probleme und Herausforderungen kann zunächst herausfordernd sein, kann aber auch Türen für unerwartete Lösungen öffnen. Wenn andere über die eigenen Probleme und Lücken Bescheid wissen, ist es einfacher für sie, Lösungen zu finden, die genau darauf zugeschnitten sind.

In der Projektplanung ist zu gewährleisten, dass die Teilnahmebedingungen und Modalitäten von Beginn an festgelegt und verständlich dargelegt werden. Dabei sind juristisch ausgefeilte Formulierungen zu vermeiden und eine für den jeweiligen Teilnehmerkreis angemessene Sprache zu verwenden.

Auch der Projektablauf selbst sollte durchgängig ausreichende Transparenz aufweisen, sodass alle Akteure zu jedem Zeitpunkt wissen, was der aktuelle Status ist und welche die nächsten geplanten Schritte sind.

Je nach Art der Herausforderungen der Innovationsinitiative sind abgestimmte und angemessene Vergütungen zu definieren, wie z.B. Geldpreise, Sachpreise, Praktika, Präsentation des Namens des Gewinners oder Einladung zur Weiterentwicklung der Idee oder Mitarbeit in der Organisation angeboten werden.

Auch Sichtbarkeit in der Community wird als eine Art Anerkennung für die Bemühungen angesehen und fördert die Attraktivität des Projektes. Je nach Zielgruppe wird eine karrierebezogene Belohnung als lohnender und motivierender angesehen als bloße Geldpreise.

Vertrauen und Fairness bilden die Basis für offene Innovationsprozesse. Insofern ist es für die konkrete Projektplanung sehr wichtig, vertrauensvolle Partner/innen an der Hand zu haben. Für das erste Projekt ist es auf jeden Fall von Vorteil externe Expertise in die Planung mit einzubeziehen. Sie helfen bei der Projektplanung, bei der Auswahl von Methoden und Tools und bringen eigene Erfahrungen ein.

 

Lesetipps und Quellen

Vanhaverbeke, W. (2017): “Managing Open Innovation in SME”, Cambridge University Press, 2017

de Beer, J., McCarthy, I., Soliman, A., Treen, E. (2017): “Click here to agree: Managing intellectual property when crowdsourcing solutions”, Business Horizons, Volume 60, Issue 2, March–April 2017, Pages 207-217

Seja, c., Narten, J. (2017): „Creative Communities, Ein Erfolgsinstrument für Innovationen und Kundenbindung, Springer Gabler, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017

Gassmann, O. (2013): „Crowdsourcing. Innovationsmanagement mit Schwarmintelligenz. Interaktiv Ideen finden, Kollektives Wissen effektiv nutzen. Mit Fallbeispielen und Checklisten.“, Carl Hanser Verlag München.

Donner, M. (2013) „Orientierungsrahmen für die Integration von Open Innovation im Innovationsprozess“, FH Südwestfalen, Bachelorarbeit 2013

„Intellectual Property Agreement Guide IPAG“, UNIKO und ncp.ip

Füller, J., (27. Juni 2012): „Die Gefahren des Crowdsourcing“