Kernelemente fairer Innovationsprozesse

Eine erfolgreiche und nachhaltige Einbeziehung externer Innovatoren bedarf fairer und transparenter Rahmenbedingungen und einer angemessenen Anerkennung des Beitrages zum erzielten Wettbewerbsvorteil.

Die wichtigsten Elemente dabei sind:

1. Transparente Kommunikation: Eine transparente und nachvollziehbare Kommunikation ist die Grundvoraussetzung für jedes erfolgreiche Co-Creation-Projekt. Diesen Aspekt sollten Unternehmen bereits in der Konzeption der Plattform, den zugrundliegenden Prozessen und später im aktiven Betrieb berücksichtigen und offen kommunizieren. Wie werden die Gewinner eines Wettbewerbs ausgewählt? Was sind die Bewertungskriterien? Welche Art von Beiträgen wird von den Teilnehmern gewünscht? Welche Rolle haben Experten auf der Plattform und auf welcher Basis entscheidet die Jury? Was geschieht mit Ideen, wenn die aktive Phase abgeschlossen ist? Das sind alles Fragen, die Unternehmen nachvollziehbar kommunizieren sollten.

2. Schnelle Interaktion: Crowdsourcing-Projekte finden meist auf Online- und Social Media-Plattformen statt. Das von den Nutzern erwartete Interaktionstempo ist sehr dynamisch und fordert spontane Reaktionen der Unternehmen. Im Zweifel auch außerhalb der gängigen Geschäftszeiten. Eine unbeantwortet gebliebene Frage oder Antworten, deren Anfertigung mehrere Wochen dauern, werten die Mitglieder der Communities als Desinteresse.

3. Authentisches Verhalten: Damit sich die Teilnehmer nicht ausgenutzt fühlen, muss die Absicht des Unternehmens und die dazugehörige Kommunikation absolut authentisch sein. Dies lässt sich zum Beispiel durch die Präsenz von Mitarbeitern des Unternehmens auf der Plattform, eine hochkarätig besetzte Jury und durch explizit formulierte Umsetzungsversprechen erreichen. Innovationswettbewerbe als reine Marketingmaßnahmen zu "missbrauchen", wäre töricht.

4. Echte Wertschätzung: Damit (potenzielle) Teilnehmer eine Crowdsourcing-Plattform als fair einschätzen, ist die ehrliche Wertschätzung der Mitglieder und ihrer Beiträge essentiell. Dies beginnt bei motivierenden Kommentaren von Community-Mitgliedern oder des Community Managers, geht über die Auswahl der richtigen Preise bis hin zu realistischen Umsetzungsversprechen oder späteren Umsatzbeteiligungen.

5. Ausreichende Unterstützung: Der fünfte Punkt ist ein grundsätzlicher. Durch das Öffnen der Unternehmensgrenzen und das virtuelle Kooperieren werden (hierarchische) Grenzen zwischen dem Unternehmen und seinen Nutzern und Kunden aufgehoben. Strenggenommen sollten sich beide Seiten auf einer Co-Creation Plattform gleichermaßen wohl fühlen. Das hat zur Folge, dass es auch Platz und Raum für spontane Bedürfnisse der Community geben sollte, damit sich ein fruchtbarer Austausch und eine längerfristige Vernetzung zwischen den Mitgliedern entwickeln können. So sollten beispielsweise Hinweise zu technischen, inhaltlichen oder auch kommunikativen Verbesserungsmöglichkeiten aus der Community nicht nur aufgenommen, sondern auch umgesetzt werden

 

Dieser Text ist ein Auszug aus: Füller, J., 27. Juni 2012, „Die Gefahren des Crowdsourcing“, http://www.harvardbusinessmanager.de/blogs/a-840963.html

(Mit freundlicher Genehmigung durch Prof. Füller.)