FabLab

Was sind typische Eigenschaften gut funktionierender Makerspaces und wie können Unternehmen diesen nutzen?

Zunächst geht es sehr stark um das unternehmerische Ökosystem, welches wir in der Werkstätte Wattens und im FabLab aufbauen. Das ist eigentlich auch die große Herausforderung! Einen Raum und Umgebung zu schaffen, in dem sich Menschen wohlfühlen, gerne herkommen, kreativ sind, ihre Berührungsängste zu digitalen Produktionstechnologien verlieren und ihnen so beim Entwickeln von Innovationen geholfen wird. Dies sind einmal die Grundvoraussetzungen, welche in einem Makerspace vorhanden sein sollten. Neben diesen wichtigen „Soft Facts“ steht natürlich der Zugang zu digitalen Technologien im Zentrum. Zudem sind Elektronik- und Software-Kenntnisse wichtige Erfolgsfaktoren, und sollten positiv behaftet sein.

Welche speziellen Dienstleistungen bietet das „Center for Rapid Innovation“ insbesondere für Unternehmen an?

Einerseits bieten wir einen operativen Labbetrieb, also Mitglieder können via Mitgliedschaft die einzelnen Maschinen und Produktionstechnologien nützen. Andererseits bieten wir auch Dienstleistungen wie z.B. Technologie-Beratung, Design Thinking, Prototyping oder auch spezifische Aus- und Weiterbildungsangebote an. Letztendlich haben wir ein breites Angebot und bieten von klassischer Beauftragung von Prototypen bis hin zu größeren gemeinsamen Entwicklungsprojekten die oftmals über ein Jahr dauern, vieles an – der gemeinsame Nenner lautet immer „lean and rapid“. Wenn nötig, holen wir uns auch noch Leute aus dem Netzwerk dazu, damit wir auch von den Ressourcen her besser aufgestellt sind.

In vielen Projekten entwickeln wir gemeinsam mit dem Auftraggeber ein „Proof of concept“ und bringen Ideen soweit, dass ein funktionierender Prototyp entsteht und das Unternehmen überlegen kann, ob es daran weiterarbeitet oder ein Start-Up daraus macht. Wenn gewünscht, unterstützen wir Unternehmen in jenen Bereichen des Innovationsmanagements, in denen dieses noch nicht die nötigen Ressourcen und das Wissen hat.

Wir überlegen uns laufend neue Konzepte (Innovationsworkshops, Programme zur Geschäftsmodellentwicklung etc.) und probieren diese mit Unternehmen aus. Wir sind sehr gut im Prototyping und können (fast) alles bei uns im Haus machen, da wir hier viele Kompetenzen vereint haben. Wir bieten Raum und Gelegenheiten zum interdisziplinären Austausch und vernetzten Arbeiten. Dabei ist uns ein Fokus auf Technologie, Innovation, regionale Wertschöpfung und nachhaltiges Wachstum wichtig.

 

Sie arbeiten regelmäßig mit mittelständischen Unternehmen zusammen. Worin liegt das große Potenzial dabei?

Ein großes Potenzial unseres Makerspace ist, dass wir sehr professionell arbeiten und hier bei uns viele unterschiedliche Kompetenzen vereinen. Wir können Prototypen in schnellen Zyklen entwickeln, was für große Unternehmen eine große Herausforderung darstellt. Dort stehen zwar häufig auch alle Geräte und Maschinen, allerdings an zig verschiedenen Orten, mit zig unterschiedlichen Zuständigkeiten, mit Wartezeiten und mit anderen Kostenhinterlegungen. Dadurch können diese Unternehmen gar nicht den Innovationszyklus haben, den wir in der Werkstätte Wattens erreichen. In zwei Wochen können wir etwa dutzende Prototypen durchspielen und das kann ein großes Unternehmen nicht.

Unser gemeinsamer Nenner nennt sich Lean und Rapid Innovation. Hierbei versuchen wir die Dinge, die wir von Startups lernen, die bei uns angesiedelt sind, an die großen Unternehmen weiterzugeben und umgekehrt. Die großen Unternehmen sind oftmals zu träge und die kleinen oftmals zu unstrukturiert, aber die Einen können von den Anderen lernen und umgekehrt. Es gibt keinen 100% optimalen Ansatz.

 

Welche Aspekte sind für ein faires, verlässliches Miteinander und für eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Makerspace der Werkstätte Wattens und Unternehmen relevant?

Fairness und andere Werte wie Verlässlichkeit, Transparenz, Zusammenarbeit oder Vertrauen spielen bei uns eine wesentliche Rolle. Wenn man dies authentisch lebt kann man sich hier auch gut abheben.

Die Erfahrung, die wir gemacht haben ist, dass eine große Vertrauensbasis bestehen muss, bevor Unternehmen auf einen zukommen. Diese Vertrauensbasis entwickelt sich oft infolge langjähriger Kontakte und kommt zustande, weil das Unternehmen aufgrund von anderen Angeboten (z.B. Teambuilding-Workshop), die wir z.B. im FabLab anbieten, positive Erfahrungen sammeln konnte und von uns einfach überzeugt ist. Die Zusammenarbeit beruht auf gemeinsamer Erfahrung und Vertrauen, dann kann man sich auch als FabLab Punkto Entwicklung gut positionieren. Was zählt ist Handschlagqualität.

Vertrauen und den Ruf muss man sich jedoch erst verdienen und aufbauen - das hat auch etwas mit den jeweiligen Persönlichkeiten zu tun, die im Team sind. Und das kann man auch nicht so leicht nachahmen! Die Werkstätte Wattens baut sich Vertrauen sukzessive und langsam auf, das sorgt für mittel- bis langfristige Stabilität. Das Ziel muss immer eine Win-win-Situation in der Kooperation sein - fair, transparent, offen und ehrlich. Denn auch Transparenz ist entscheidend für Vertrauen und erfolgreiche Zusammenarbeit.

(Interview Dr. Christian Teissl geführt am 09.05.19 von Mag. Diana Wieden-Bischof)