Erfahrungsbericht

Warum veranstalten Sie Innovationsworkshops und welches Potenzial sehen Sie dabei in der Einbindung von externen Teilnehmenden für die Ideenfindung?

Wir haben bereits verschiedene Innovations-Formate Vor-Ort und im Online-Bereich im Rahmen von Brainwalks und Crowdsourcing bei Austrian Mobile Power ausprobiert. Insbesondere bei kooperativen Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprojekten, bei denen wir Projektpartner waren, beteiligen wir immer sowohl Vereinsmitglieder als auch vereinsexterne Unternehmensmitarbeiter/innen oder die breite Öffentlichkeit, um neue Ideen zu generieren und zu bewerten. Organisationen können davon definitiv profitieren, wenn sie Open Innovation Methoden in ihre betriebliche Arbeit integrieren. Open Innovation ist eine gute Chance über den eigenen Tellerrand zu blicken und die eigene Innovationsfähigkeit und Innovationskultur auszubauen.

 

Wie läuft so ein großer Innovationsworkshop bei Ihnen üblicherweise ab?

Wir führen in der Regel eintägige Innovationsworkshops mittels „World Café Methode“ durch, um verschiedene Problemstellungen bzw. Zukunftsthemen mit bis zu ca. 60 Teilnehmenden aus verschiedenen Branchen zu diskutieren. Diese arbeiteten bislang in bis zu fünf Gruppen in mehreren Runden in einem Raum zu unterschiedlichen Themen zusammen. Um ein brauchbares Ergebnis zu bekommen, denken wir viel über eine gute Struktur und Rahmenbedingungen, inspirierende Moderation und vor allem über eine gute und ausbalancierte Mischung an Vertreter und Vertreterinnen verschiedenster Unternehmen und Branchen für den Workshop nach, die wir einladen möchten. Dabei ist es wichtig festzustellen, welchen Partner ich an meiner Seite brauche um fundierte Inhalte erarbeiten zu können, aber auch wen ich überzeugen muss, um Inspiration und Weitsicht in die Gruppe zu bringen.

 

Wir haben aber auch schon Workshops mit einer neueren Kreativitätsmethode durchgeführt, der sogenannten „Brainwalking-Methode“. Teilnehmende bewegen sich dabei von Station zu Station und geben Ihre Ideen zu vorgegebene Fragestellungen ab und bewerten diese. Dies ist besonders spannend, wenn man gezielt die Außensicht oder/und Nutzerperspektive einholen möchte. Als zeitlichen Aufwand für physische Innovationsworkshops kann man für die Vor- als auch für die Nachbereitung je ein bis zwei Wochen, in Summe drei Wochen, veranschlagen. Die Veranstaltungen selbst wurden an je einem Tagen abgehalten.

 

Sie setzen solche Workshops auch in einem Online-Format um. Wie gut funktioniert das?

Wir haben gute Erfahrungen mit Open Innovation Software-Lösungen gemacht und diese sowohl in einem eingeschränkten Benutzerkreis aber auch mit der breiten Öffentlichkeit gemacht.

Beim ersten Mal hatten wir zu Testzwecken einen geschlossenen Teilnehmerkreis, gewählt, wobei wir ca. 10 bis 20 Mitarbeiter/innen von rund 35 Mitgliedsunternehmen eingeladen hatten, die durch die Unternehmenskommunikation selbst aufgerufen wurden ihre Ideen auf der Webplattform zu generieren, zu formulieren und auch alle Ideen zu bewerten, um selbst Erfahrungen mit Open Innovation zu sammeln.

 

Beim zweiten Mal wurde das Online Portal der breiten Öffentlichkeit geöffnet, aber nur eingeschränkt beworben. Beim dritten Mal haben wir es breit über unterschiedliche Verbände bundesweit in Österreich beworben und verbreitet. Die Resonanz war deutlich besser, die Qualität nicht unbedingt, obwohl die Inhalte und die Bewertung jedes Mal anonym mit dem Ideenkampagnen-Tool durch die virtuelle Community erfolgen konnte.

 

Begleitet haben wir die Online-Phase immer mit einer Offline-Phase im Rahmen einer redaktionellen Sitzung, sprich Innovationsverantwortliche von Unternehmen konnten persönlich die erhaltenen Ideen und oder Bewertungen diskutieren und interpretieren. Spannend war dabei für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen - neben der Ideenvielfalt - aber immer wie innerbetriebliche Ideen von der Community betrachtet und gereiht wurden.

Die besten drei Ideen wurden jedes Mal prämiert.

 

Wie zufrieden waren Sie mit den Ergebnissen des neuen Formates?

Der Prozess und die inhaltliche Erkenntnis des Online-Workshops waren hier sehr spannend! Es wurden Ideen generiert, an die weder wir noch die Experten, je gedacht hätten und zu eigenen eingebrachten Ideen haben wir von potentiellen Konsumenten Feedback erhalten. Dies gibt Rückhalt aber auch Mut, denn das braucht man auch um Innovationen voranzutreiben und zu implementieren!

 

Wenn Sie den Vor-Ort Innovationsworkshop und den Online Workshop vergleichen, was fällt auf?

Die Kombination aus Online und Offline Innovationsworkshops war sehr positiv und lässig. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen haben wir diese Methode dann auch im Rahmen eines kooperativen Leuchtturmprojekts in der Logistik-Branche eingebracht. Hier waren wir verantwortlich für das Kommunikationsarbeitspaket und haben einen Aufgabenbereich in Form eines Open Innovation Pakets bearbeitet. Die Erkenntnis danach war, dass die Inhalte ähnlich zufriedenstellend waren. Der Zeitaufwand für die operative Durchführung des Vor-Ort Workshops in dieser Branche war jedoch viel höher (z.B. das Einladungsmanagement) und die Anzahl der Ideen an dem einen Tag deutlich geringer als in anderen Branchen. Bei der Online-Variante war dies nicht der Fall. Auch gab es weniger Barrieren via Internet Ideen zu geben, und es war vor allem sehr spannend zu sehen, dass viele Ideen von Teilnehmer/innen während der Tagesrandzeiten, vermutlich während des Pendelns, abgegeben wurden.

 

Was sagen Sie zur Qualität der Ideen?

Insgesamt können wir zusammenfassen, dass die kreativeren und spritzigeren Ideen aus dem digitalen Open Innovation Prozess entstanden sind. Es wurden auch zwei Ideen davon von einem Unternehmen aufgegriffen und umgesetzt. Spannend war auch zu sehen, dass die Crowd Ideen aufgegriffen hat und mit anderen Ideen kombiniert oder weiterentwickelt hat.

 

Wie wichtig ist Ihnen Fairness in einem unternehmensübergreifenden Innovationsworkshop?

Generell ist Fairness ein sehr wichtiger Begriff in einem Open Innovation Prozess. Ähnlich wie im innerbetrieblichen Vorschlagswesen ist auch hier Anerkennung oder Honorierung von Anfang an mitzudenken und zu leben. Eine faire Chance Ideen abgeben zu können ist wichtig, ein fairer Umgang in der Bewertung aber auch eine faire Honorierung muss gewährleistet sein.

 

Was muss für eine „faire“ Gestaltung getan werden?

Fairness ist ein Begriff der, egal ob es um interne oder externe Innovationsprozesse geht, immer vorab überlegt gehört. Uns war es wichtig den Online Dialog zu begleiten, eine gute reaktionsfähige Moderation zu gewährleisten und die besten Ideen vor den Vorhang zu holen und zu belohnen. Aber das ist definitiv von Projekt zu Projekt unterschiedlich und gehört gleich am Anfang festgelegt. Fairness ist ein unterschätzter Erfolgsfaktor!

(Interview Dipl.-Ing. Heimo Aichmaier geführt am 14.05.19 von Mag. Diana Wieden-Bischof)